Now to something completely different
A… Rippenbruch.
Tatsächlich behindert mich derzeit eine ziemlich schmerzhafte Angelegenheit im unteren Brustbereich.
So wird es dieser Brian-Seite ergehen wie einst der Freiheitsstatue in New York: Sie wird nicht zum großen Jubiläum fertig. Ich hoffe zwar, dass es nicht wie bei Miss Liberty erst zehn Jahren später soweit ist, aber auf genauso viele Besucher…
2009 ist tatsächlich ein Python-Jahr (gewesen).
Vor 40 Jahren startete ihre 45 Folgen umfassende Sketchreihe „Monty Python’s Flying Circus“, die erst nach zähen Verhandlungen mit der BBC ausgestrahlt werden konnte, die dann aber selbst von der Queen geschätzt und von ihren Untertanen geliebt wurde. Georg Harrison, einer der prominentesten Monty Python-Förderer, erzählt noch heute, dass die Beatles regelmäßig ihre Proben unterbrachen, wenn der groteske Zirkus über die Bildschirme flog. Alfred Biolek holte die Pythons Anfang der 1970er für zwei Extra-Folgen „Fliegender Zirkus“ nach Deutschland, mit sehr mäßigem Erfolg. Erst einige Jahre später entdeckte der Kontinent den britischen Humor, der sich durch groteske, absurde Inszenierungen, vor allem aber durch bitter-bösen Sarkasmus auszeichnet. Heute gibt es kaum einen TV-Komödianten der jüngeren Generation, der nicht vom „black humour“ der Pythons beeinflusst wurde. Auch die beiden ARD-Folgen „Fliegender Zirkus“ wurden populär. Teils waren es deutsche Fassungen der englischen Originalsketche, teils aber auch echte „Specials“, wie dem „Philosophers’ Soccer Match“, in dem Nietzsche einen Platzverweis erhielt und Griechenland gegen Deutschland durch ein umstrittenes Tor von Sokrates (Marx hatte Abseits reklamiert) mit 1:0 gewann, was Kant prompt dazu verleitet, zum Schiedsrichter (Konfuzius) zu rennen, um ihm mitzuteilen, dass so etwas wie ein Tor nur als Erfahrung in unserer Vorstellung existiert, nicht aber als echtes „Tor an sich“.
Vor 30 Jahren erschien mit „Monty Python’s Life of Brian“ ihr erfolgreichster Kinofilm; es gibt Menschen, die den Text auswendig kennen. Und Menschen, die ihm ein Blog widmen…
Vor 25 Jahren trennten sich die Wege der sechs Pythons, nachdem ihr letzter Streifen („The Meaning of Life“) beim Festival von Cannes den Großen Spezialpreis der Jury gewonnen hatte.
Vor 20 Jahren verstarb Graham Chapman. An seinem Grab sang Python-Liedermacher Eric Idle seinen Welthit „Always Look on the Bright Side Of Life“.
Und – vor 70 Jahren wurde John Cleese geboren.
John Cleese erblickte am 27. Oktober 1939 in Weston-Super-Mare (Großbritannien) als John Marwood Cheese das Licht der Welt. Den Nachnamen (zu deutsch: Käse) änderte er später in Cleese. Der Jurist erhielt seine Ausbildung an der St. Peter’s Preparatory School, am Clifton College, am Downing College und an der renommierten Cambridge University. Dort spielte er zusammen mit Graham Chapman und Eric Idle in der Schauspielgruppe „Cambridge Footlights“. Später trafen sie zwei Jungs aus Oxford, Terry Jones und Michael Palin, die ebenfalls während des Studiums ihre Liebe zum Theater entdeckt hatten. Gemeinsam bildeten sie 1969 „Monty Python“, um gemeinsam eine völlig neue Dimension des absurden Humors zu erschließen. Später kam der US-Amerikaner Terry Gilliam dazu. Nicht vergessen sollte man das „Python-Girl“ Carol Cleveland. Sie unterstützte die sechs Herren immer dort, wo deren Wandlungsfähigkeit eine biologische Grenze gesetzt war.
Im „Monty Python’s Flying Circus“ spielt Cleese zig verschiedene Rollen, doch zumeist den steifen, etwas unsicheren Engländer, der als Polizist, Rechtsanwalt, Nachrichtensprecher oder Lehrer auch im Angesicht des Absurden seine Würde zu wahren sucht. Unvergessen ist der heilige Ernst, mit dem Cleese dort, wo andere Programme gestelzte Überleitungen arrangieren, schlicht und ergreifend sagt: „And now for something completely different.“ („Und nun zu etwas völlig anderem.“).
John Cleeses umfangreiche Filmographie umfasst über 30 Titel, darunter natürlich die berühmt-berüchtigten Filme der Pythons. Sein größter Erfolg war jedoch ohne Zweifel die eher leichtere Komödie „A Fish Called Wanda“ („Ein Fisch namens Wanda“, 1988), für den Cleese das Drehbuch schrieb, die Produktionsverantwortung übernahm und eine der Hauptrolle spielte, in der er als verklemmter englischer Anwalt glänzte, neben einem von Kevin Kline in Szene gesetzten dämlichen Möchtegern-Macho und Hobbyphilosophen, einem raffinierten Superweib (Jamie Lee Curtis) und einem mitleiderregenden Tragikomikus (Michael Palin). Der Film wurde für den Oscar nominiert, erhielt einen italienischen Filmpreis und wurde von der „Writers Guild of America“ (Gewerkschaft der amerikanischen Schriftsteller) für den Drehbuchpreis nominiert. Cleese selbst gewann den Hauptdarstellerpreis der „British Academy of Film and Television Arts“ (BAFTA) und war außerdem als Drehbuchautor nominiert.
Jüngeren Kinogänger ist Cleese sicherlich durch seine Kurzauftritte als „Q“-Nachfolger „R“ in den neueren James Bond–Filmen sowie als „Nearly Headless Nick“ aus den ersten beiden Harry Potter-Folgen bekannt. Auch diesen Charakteren gibt er die typisch cleese’schen Züge der vornehmen Verklemmtheit.
Neben seinem cinematographischen Schaffen entwickelte er 1975 die Fernsehserie „Fawlty Towers“ (deutsche Versionen erscheinen unter den Titeln „Zimmer frei“ oder „Das verrückte Hotel“), in der Cleese einen Hotelmanager mimt, der sein Etablissement in bester Monty-Python-Manier führt. Eine zweite Staffel entstand 1979.
In der Thatcher-Ära gründete Cleese eine liberaldemokratische Partei, die jedoch nicht ganz so erfolgreich war, was die „Eiserne Lady“ dazu veranlasste, im Parlament von einem „Ex-Parrot“ zu sprechen, in Anspielung auf den berühmten Sketch der Pythons, in dem der Inhaber einer Tierhandlung trotz überwältigender Evidenz nicht zugeben will, dass er seinem Kunden einen toten Papageien verkauft hat.
Ferner gründete der umtriebige Cleese die Managementausbildungsfilmgesellschaft Video Arts (die mit dem „Queen’s Award“ für die Exportindustrie ausgezeichnet wurde). Er hat (zusammen mit Dr. Robin Skynner) zwei Selbsthilfebücher veröffentlicht: „Families and How to Survive Them“ („Familien und wie man sie überlebt“) und „Life and How to Survive It“ („Das Leben und wie man es überlebt“). Auf der Grundlage des ersten Buchs entstand eine BBC-Radioreihe. Cleese war außerdem als Ehrendoktor drei Jahre lang Rektor an der St. Andrew’s University. 1999 erhielt er dann einen Ruf an die Cornell University (Ithaca / New York), wo er als Gastprofessor tätig ist. Seitdem lebt er in den USA.
John Cleese ist zum dritten Mal verheiratet und hat zwei Töchter. Zur Zeit lebt er von seiner dritten Frau getrennt. Zur Finanzierung der Scheidung geht er derzeit auf Tour. Seine Show trägt den Titel „Ein aberwitziger Abend mit John Cleese – oder: Wie man eine Scheidung finanziert“.
Ich melde mich wieder, wenn der Schmerz nachlässt.
So far for pathos.
(Josef Bordat)
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